Und da ist sie wieder … diese Zeit im Jahr, in der viele um dich rum zu husten und schnupfen beginnen. Vielleicht hat es dich ja auch gerade erwischt. Fühlst du dich nicht ganz fit? Ein robustes Immunsystem, in Verbindung mit einer ausgewogenen Ernährung, kann dazu beitragen, bestimmte Beschwerden zu verhindern. Aber selbst wenn wir Yogis uns gut um unsere Gesundheit kümmern, werden wir manchmal von Erkältungen erwischt. Und ja: Ich spreche aus eigener Erfahrung und möchte einige Erkenntnisse mit dir teilen. Denn: Wenn die ersten Anzeichen einer Erkältung auftreten, kann Yoga entweder hilfreich sein oder die Situation verschlimmern.
Bevor du Ratschläge von anderen annimmst oder dich angeschlagen zur Yogastunde schleppst, höre auf die Signale deines eigenen Körpers. Leidest du unter Fieber oder starken Schmerzen? Dann bleib im Bett und trinke viel Wasser und Tee. Aber hier kommt eine gute Nachricht: Auch bei Schnupfen, Gliederschmerzen oder Kopfschmerzen, kann Yoga dazu beitragen, deine Genesung zu unterstützen. In solchen Momenten ist es wichtig, auf deine innere Stimme zu hören. Wenn selbst der Weg vom Schlafzimmer zur Küche dich erschöpft, solltest du keine körperlichen Asanas praktizieren. Besonders bei erhöhter Körpertemperatur oder Fieber ist es ratsam, auf anstrengende Asana-Übungen und Pranayama (Atem-Übungen) zu verzichten. Stattdessen kannst du dich dem Pratyahara widmen. In der Yogaphilosophie bezeichnet dieser Begriff einen Zustand, in dem die Sinne nach innen gerichtet werden und zur Ruhe kommen. Schalte also Handy und Laptop aus, erlaube dir, nicht erreichbar zu sein, und gönne dir eine Auszeit im Bett. Auf diese Weise kannst du dich am schnellsten erholen – auch das ist Yoga!
Schrittweise Annäherung an die Asanas
Wenn du dich aber trotz leichter Beschwerden wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Husten gut fühlst, kannst du deine Yogamatte ausrollen und dich behutsam den Übungen nähern, die deinem Körper guttun. Du könntest die Yogastunde diesmal beispielsweise in Savasana beginnen (eventuell mit einer Decke) und dann das Krokodil oder die Brücke ausprobieren. Diese Übungen können den unteren Rücken dehnen und entlasten, wenn du durch langes Sitzen oder Liegen verspannt bist. Ein paar Runden Katze und Kuh können auch dazu beitragen, Rückenschmerzen zu lindern. Achte jedoch darauf, nur Bewegungen auszuführen, die sich für deinen Rücken angenehm anfühlen.
Vorsicht bei Umkehrhaltungen
Wenn du dich nach diesen Übungen fit fühlst, kannst du mit deiner normalen Praxis fortfahren. Es ist jedoch ratsam, an solchen Tagen dein Übungslevel leicht herunterzufahren. Einige Menschen empfinden Umkehrhaltungen bei verstopfter Nase als unangenehm. Sie können den Druck auf die Nasen- und Stirnhöhlen erhöhen und Kopfschmerzen verschlimmern. Du könntest dies anhand einer Vorwärtsbeuge testen. Andere haben das Gefühl die Nebenhöhlen werden frei, wenn sie ihre Beine nach oben strecken – einfach mal ausprobieren! Wenn du Kopfschmerzen hast, könntest du stattdessen Asanas üben, die die Schulter- und Rückenmuskulatur stärken. Auf diese Weise wird der Alltag leichter zu bewältigen. Wenn du während des Übens deine Ausatmung verlängerst, kannst du dich besser von belastenden Gedanken lösen und Stress abbauen. Dies ist ähnlich wie bei der 4-7-8 Atemtechnik, die gegen Stress und Anspannung wirken kann.
Atemwege befreien durch Rückbeugen
Rückbeugen sind nicht nur eine Möglichkeit, Verspannungen in Schultern und Nacken zu lösen, sondern sie können auch das Atemsystem unterstützen. Indem du die Brustwirbelsäule nach hinten streckst, öffnest du den Brustkorb und dehnst die Lungen-, Herz- und Atemmuskulatur. Regelmäßiges Üben vertieft unsere Atmung und sorgt für eine bessere Sauerstoffversorgung des Körpers. Dies wiederum erleichtert das Atmen und fördert die Konzentration. Zusätzlich zur Atemverbesserung können Rückbeugen auch dazu beitragen, Verdauungsprobleme zu lindern. Wenn du also unter Atemwegsproblemen leidest, könntest du die Kobra oder den Fisch, in deine Yogapraxis integrieren. Einige behaupten sogar, dass diese Asanas aufgrund ihrer positiven Auswirkungen auf das Atemsystem eine heilende Wirkung bei Asthma haben können.
Kapalabhati gegen Viren
Sofern du dich wohl fühlst, kannst du bei einer Erkältung Pranayama-Übungen ausprobieren – das geht sogar im Liegen. Kapalabhati, die Feueratmung, reinigt die Atemwege und kann unerwünschte Viren aus deinem Körper vertreiben. Beachte jedoch: Diese Atemtechnik hat eine anregende Wirkung und aktiviert das Sympathikus-Nervensystem, das für Aktivität verantwortlich ist. Daher ist Kapalabhati nicht für Menschen geeignet, die nervös oder gestresst sind, und sollte auch nicht am Abend geübt werden. Stattdessen ist sie besonders hilfreich, wenn du dich erschöpft fühlst oder deine geistige Wachheit steigern möchtest.
So funktioniert Kapalabhati:
Setz dich aufrecht und bequem hin und finde deinen natürlichen Atemrhythmus. Atme bei der nächsten Einatmung tief in den Bauch ein und ziehe die Bauchdecke während des Ausatmens in raschen, rhythmischen Bewegungen nach innen. Dadurch drückst du die Luft aus den Lungen und erzeugst kurze, kraftvolle Ausatmungen. Wiederhole diese Abfolge etwa 20 bis 30 Mal und kehre dann zu deinem natürlichen Atem zurück.
Summen gegen Heiserkeit
Bhramari, auch bekannt als die Bienenatmung, verdankt ihren Namen dem Summen, das du während des Ausatmens erzeugst. Diese Atemübung kann nicht nur deine Stimme verbessern, sondern auch dazu beitragen, Hals- und Nasenproblemen vorzubeugen und die Atemwege zu reinigen. Darüber hinaus verleiht sie Ruhe und Entspannung und kann bei Stress und Kopfschmerzen hilfreich sein.
So funktioniert Bhramari:
Setz dich aufrecht und bequem hin. Verschließe deine Ohren sanft mit den Daumen, lege die Zeigefinger leicht über die Augen, platziere die Mittelfinger seitlich an die Nasenflügel, die Ringfinger auf die Oberlippe und die kleinen Finger auf die Unterlippe. Diese Handhaltung, bekannt als Shanmukti Mudra oder das Verschließen der sieben Tore, ermöglicht dir eine vollständige Rückkehr der Sinne nach innen. Atme tief ein und summe während des Ausatmens wie eine Biene. Wiederhole diesen Vorgang etwa 8 Mal und schließe dann deine Augen einen Moment, um die Wirkung des Summens auf dich wirken zu lassen.
Yoga und dein Immunsystem
Grundsätzlich bietet eine Erkältung die Möglichkeit, sich auf die innere Welt zu besinnen und mehr auf die Signale des eigenen Körpers zu achten. Dies beinhaltet auch das Erkennen von Stressreaktionen im Körper. Wenn der Körper gestresst ist, werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die das Immunsystem beeinflussen und schwächen. Yoga ist eine meditative Praxis, die dazu beiträgt, den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen. Dadurch wird das Immunsystem gestärkt und bietet Viren weniger Angriffsfläche. Daher kann eine regelmäßige Yogapraxis dazu beitragen, einige Beschwerden im Vorfeld zu verhindern. Wenn du trotzdem von einer Erkältung erwischt wirst, versuche auch in dieser Situation die Kraft positiver Gedanken zu nutzen. Statt dich über Zeitmangel zu beschweren, nutze diese Zeit sinnvoll. Begrüße die Erkältung als Gelegenheit zur Reinigung deines gesamten Organismus und als Chance, neue Energie und Stärke zu tanken. Sie bietet dir die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und einen Gang herunterzuschalten. Vielleicht wartet schon seit Monaten ein Buch auf deinem Nachttisch, das du endlich fertiglesen kannst, oder du kannst dir ein entspannendes Hörbuch anhören. Wichtig ist, dass du dir selbst die Zeit gibst, die du benötigst. Gute Besserung!